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Safety of the Intended Functionality (SOTIF) ist ein Sicherheitsansatz für Anwendungen in Fahrerassistenzsystemen (ADAS) und automatisierten Fahrsystemen (ADS) und befasst sich mit der Sicherheit von Sensoren und Algorithmen, wenn kein Systemausfall vorliegt.
Mit dem Aufkommen fortschrittlicher Fahrerassistenzsysteme (ADAS) und automatisierter Fahrsysteme aller Stufen wurde 2022 die ISO 21448 entwickelt. Sie bietet Automobilherstellern und Zulieferern Leitlinien, wie das "Fehlen unangemessener Risiken" durch Gefährdungen – resultierend aus funktionalen Unzulänglichkeiten der vorgesehenen Funktionalität oder vernünftigerweise vorhersehbarem Fehlgebrauch durch Personen – sichergestellt werden kann. Zusammen bieten diese Sicherheitsstandards einen ganzheitlichen Ansatz für autonome Fahrsysteme und ADAS in allen Fahrzeugplattformen. Cybersicherheitsfragen werden in ISO 21434 behandelt, da die Normungsgremien vereinbart haben, einen einheitlichen Rahmen für das Management von Cybersicherheitsrisiken über den gesamten Fahrzeuglebenszyklus bereitzustellen.
Obwohl das in ISO 21448 beschriebene Konzept von SOTIF für den Automobilbereich entwickelt wurde, lässt es sich auf jedes autonome System übertragen. Unternehmen nutzen diesen Ansatz auch in Anwendungen der Luft- und Raumfahrt, mit schweren Maschinen, im Bauwesen und in der Fertigungsautomatisierung, wo er häufig mit bestehenden Strategien zur funktionalen Sicherheit kombiniert wird. SOTIF ist eine sich weiterentwickelnde Methodik. Normungsgremien weltweit verfeinern sie kontinuierlich, um neuen Technologien und Anwendungen gerecht zu werden.
Die in ISO 21448 enthaltenen Leitlinien wurden entwickelt, um die Leitlinien zur funktionalen Sicherheit in ISO 26262 zu ergänzen. Während sich die funktionale Sicherheit (FuSa) mit Systemausfällen befasst, behandelt SOTIF die Sicherheit eines Systems in Abwesenheit eines Fehlers.
Die folgende Tabelle zeigt einige Unterschiede zwischen den beiden Sicherheitsstandards im Automobilbereich:
Aspekt | Funktionale Sicherheit | SOTIF |
ISO-Norm |
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Gefährdungsumfang |
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Abgedeckte Klassen von Fahrzeugsystemen |
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Fehlertypen (Beispiele) |
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Definition des akzeptablen Risikoniveaus |
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Ziel |
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Kurz gesagt: FuSa hilft Ingenieurteams, Sicherheitsprobleme zu vermeiden, die mit Software- und Hardwarefehlern in elektrischen/elektronischen Systemen (E/E) zusammenhängen. SOTIF behandelt Sicherheitsprobleme im Automobilbereich, die entstehen, wenn autonome Systeme und Fahrerassistenzsysteme ungenaue Daten empfangen, diese falsch interpretieren oder vom menschlichen Bediener falsch verwendet oder missverstanden werden.
Nach der Entwicklung von Normen für Straßenfahrzeuge im Zusammenhang mit fehlerhaften Komponenten erkannte die Automobiltechnikbranche die Notwendigkeit von Sicherheitsanforderungen zur Behandlung weiterer potenzieller Gefährdungen, die auftreten, wenn autonome Systeme nicht beeinträchtigt sind und keine Fehler vorliegen. ADAS und autonome Fahrsysteme nutzen Sensoren zur Erfassung der Umgebungssituation, maschinelles Lernen zur Verarbeitung von Sensordaten sowie komplexe Algorithmen, um den Fahrer zu informieren, zu unterstützen oder Aufgaben von ihm zu übernehmen.
Um die Ingenieurteams bei der Entwicklung eines Prozesses zur Identifizierung und Behandlung von Risiken zu unterstützen, definiert die Norm drei Arten von Gefährdungsereignissen:
Eine funktionale Unzulänglichkeit ist die Unfähigkeit eines abgedeckten Systems, ein Ereignis in der realen Welt innerhalb seines Operational Design Domain (ODD) korrekt zu interpretieren, was zu einem Gefährdungsereignis führt. Funktionale Unzulänglichkeiten in einem System umfassen Lücken in den Systemspezifikationen. Ein Beispiel wäre eine Kollision mit einem überholenden Motorrad, weil das automatisierte Fahrzeug nicht erkannt hat, dass sich das Motorrad so schnell nähert und erst so spät identifiziert wird.
Leistungsbeschränkungen treten auf, wenn sich ein System aufgrund von Defiziten eines Sensors oder Algorithmus unsicher verhält. Wenn eine oder mehrere inhärente Einschränkungen durch einen Sensor, einen Algorithmus oder eine Komponente verursacht werden, kann dies zu gefährlichem Verhalten führen. Ein typisches Beispiel hierfür ist ein Notbremssystem, das nicht ausgelöst wird, weil der Kamerasensor aufgrund von starkem Regen oder Nebel ein Objekt nicht erkennen kann.
Ereignisse des vorhersehbaren Fehlgebrauchs sind Situationen, in denen ein*e Benutzer*in auf unbeabsichtigte Weise interagiert. Beispielsweise dreht ein*e Benutzer*in plötzlich das Lenkrad im automatisierten Fahrmodus oder ist während des Fahrens abgelenkt und nimmt eine Warnmeldung über eine mögliche Kollision weder wahr noch hört sie sie.
Sobald ein Team ein Sicherheitsproblem identifiziert hat, entwickelt es Szenarien bzw. Beschreibungen von Situationen, denen ein Fahrzeug im Straßenverkehr begegnen kann. Die Norm ISO 21448 definiert vier Szenariobereiche, die den Sicherheits- und Wissensstand der jeweiligen Situation abbilden. Das Sicherheitsniveau kann sicher oder unsicher sein, und der Kenntnisstand über die Situation kann bekannt oder unbekannt sein.
SOTIF konzentriert sich darauf, die Anzahl unbekannter und unsicherer Situationen zu reduzieren, wobei es vorrangig darum geht, potenziell gefährliche Szenarien zu identifizieren und insbesondere von unbekannt in bekannt zu überführen. Der nächste Schritt besteht darin, gefährliche Szenarien in ungefährliche zu überführen. Dies erfolgt durch Verbesserung der Systemleistung oder durch Vermeidung der Exposition gegenüber solchen Szenarien durch Einschränkung des Operational Design Domain (ODD). Die Anordnung dieser Bezeichnungen in einem Quadrantendiagramm anhand der unten aufgeführten Kategorien hilft Sicherheitsteams zu bestimmen, welche Szenarien gefährlich sind und wie Prioritäten festgelegt werden sollten.
Nicht gefährlich | Gefährlich |
Bekannt – sicher | Bekannt – unsicher |
Unbekannt – sicher | Unbekannt – unsicher |
Mit der zunehmenden Anzahl von Anwendungsfällen, in denen SOTIF zum Einsatz kommt, arbeiten Unternehmen intensiv daran, die sich kontinuierlich weiterentwickelnde Norm in das Sicherheitsregime über den gesamten Lebenszyklus ihrer Produkte einzubinden. Obwohl die Erfahrungen der Branche mit SOTIF noch neu sind, haben sich einige Best Practices herausgebildet, um die Integration zu beschleunigen, die Effizienz von SOTIF-Implementierungen zu steigern und letztlich die Sicherheit von Fahrzeugen mit Fahrerassistenzsystemen, autonomen Fahrfunktionen sowie anderen Maschinen zu verbessern, die Sensoren und KI für Automatisierung und Autonomie nutzen. Diese Best Practices sind unten aufgeführt.
SOTIF und die zugehörige Norm ISO 21448 wurden entwickelt, um bestehende Branchen- und Unternehmensstandards sowie Normen für funktionale Sicherheit und Cybersicherheit zu ergänzen. Obwohl Qualitäts- und Sicherheitsteams intensiv daran arbeiten, Ereignisse vorherzusehen, können sie nicht alle potenziellen Probleme identifizieren, die unter SOTIF fallen, bevor ein Fahrzeug in Betrieb geht. Simulationstools können die Bewertung der unter SOTIF fallenden Systeme unterstützen und verwertbare Daten über Sensoren und Algorithmen während des gesamten Prozesses bereitstellen.
Unternehmen, die die Effizienz, Geschwindigkeit und Genauigkeit ihrer SOTIF-Prozesse maximieren möchten, sollten die folgenden Arten von Simulationsprodukten und Analysetools in Betracht ziehen.
Ein erster Einsatzbereich für Software ist ein Sicherheitsmanagement-Tool wie Ansys Digital Safety Manager für geführte Sicherheitsplanung, Management von Sicherheitsfällen, Durchführung und Überprüfung von Sicherheitsplänen, Simulation, SOTIF-Analysen sowie KPI-Monitoring und -Reporting.
Arbeitsergebnisse und Aktivitäten im Bereich autonomes Fahren als Teil eines unternehmensweiten Sicherheitsplans, verwaltet im Ansys Digital Safety Manager
Sobald ein Sicherheitsplan erstellt wurde, ermöglichen geeignete MBSE-Plattformen (modellbasierte Systemtechnik) Ingenieurteams die Durchführung von Sicherheitsanalysen am Systemdesign. Viele Ingenieurteams nutzen Tools wie die systemorientierte Sicherheitsanalysesoftware Ansys medini analyze, die mehrere ISO-Normen mit durchgängiger Rückverfolgbarkeit unterstützt und sich gut in führende Tools für Anforderungsmanagement und Systementwurf wie Ansys System Architecture Modeler (SAM) integrieren lässt. Ansys medini analyze ist ein gutes Beispiel für eine Plattform auf Systemebene, da sie Teams ermöglicht, Systemarchitekturmodelle zu erstellen und zu importieren und anschließend verschiedene Arten von Sicherheitsanalysen durchzuführen, darunter:
Nach Abschluss können die Ergebnisse der Analyse in alle gängigen Tools für das Anforderungsmanagement exportiert werden.
Eine der wesentlichen Herausforderungen bei der Implementierung von SOTIF besteht darin, ausreichend Daten zu sammeln, um Gefährdungen zu identifizieren. Plattformen für digitale Missionssimulationen für den Bereich autonomer Fahrzeuge sind entscheidend, wenn Teams Gefährdungen erkennen möchten, bevor sie im Feld auftreten. Ein Tool wie die Sensorsimulationssoftware Ansys AVxcelerate Sensors für autonome Fahrzeuge kann verwendet werden, um die Fähigkeiten eines Sensors zu modellieren und so die Prüfung und Validierung seiner Wahrnehmung zu ermöglichen, ohne auf aufgezeichnete Daten aus realen Fahrten angewiesen zu sein. Tests von ADAS und autonomen Fahrsystemen können anschließend mithilfe einer umfassenden und MBSE-gestützten Simulationsplattform wie der Software Ansys AVxcelerate Autonomy virtualisiert werden, um virtuelle Tests in Form umfangreicher Szenariosimulationen mit zahlreichen Parametervarianten für jedes Basisszenario durchzuführen. Diese Daten können genutzt werden, um das Restrisiko im Rahmen von SOTIF zu quantifizieren.
Darstellung eines Kamerasignals in der Software Ansys AVxcelerate Sensors
Mit dem zunehmenden Einsatz von E/E in Fahrzeugen wurde 2011 die Norm ISO 26262 für funktionale Sicherheit veröffentlicht (Gefährdungen, die durch Ausfälle und Fehlverhalten solcher Systeme verursacht werden). Mit dem Aufkommen von ADAS-Systemen und autonomen Fahrzeugen (AVs) aller Stufen war diese Norm allein nicht mehr ausreichend, um alle Sicherheitsaspekte abzudecken. Sie wurde daher 2022 durch die ISO 21448-Norm ergänzt, die gemäß ISO Automobilherstellern und Zulieferern Leitlinien bietet, wie das "Fehlen unangemessener Risiken durch Gefährdungen – resultierend aus funktionalen Unzulänglichkeiten der vorgesehenen Funktionalität oder vernünftigerweise vorhersehbarem Fehlgebrauch durch Personen" sichergestellt werden kann. Diese letztgenannte Norm bietet Erstausrüstern (OEMs) und ihren Zulieferern in der Automobilindustrie Leitlinien für das Design, die Verifizierung, Validierung und den Betrieb von E/E-Fahrzeugsystemen, die Sensoren zur Erfassung von Informationen über die Umgebungssituation nutzen, welche anschließend von Algorithmen verwendet werden, um den Fahrer zu unterstützen oder das Fahrzeug zu steuern.
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